Marcel Gäding
Er wird jeden Tag mit unnützen E-Mails zugemüllt. Da wollen ihm
Leute per Mail Blockhäuser verkaufen. Oder billige Reisen aus der
Kategorie Ballermann. Ab und an erheitern die unaufgefordert
eingesandten Angebote aber auch sein Gemüt. Ein Beispiel: Da wird
ihm und seiner Redaktion ein Stammheber angeboten. "Das ist ein
Hebelwerkzeug, mit dem bereits umgesägte Baumstämme angehoben werden
können", heißt es. Und weiter: "Aufgrund der hohen Energiekosten
entscheiden sich immer mehr Menschen wieder für den Brennstoff
Holz." Dann schreibt die Verfasserin, dass sich der Stammheber
bestens als Weihnachtsgeschenk eigne - beispielsweise für den
Schwiegervater. Aber für uns Städter? Für einen Berliner, der
zuletzt 1997 einen Kachelofen heizen musste, weil danach sein Haus
saniert wurde und eine moderne Etagenheizung erhielt.
Dennoch ist das mit dem Geschenk eine tolle Idee. Wenn seine
Kollegen und er eine Seite mit ungewöhnlichen Weihnachtsgeschenken
planen, wird er den Stammheber vorschlagen. Ausprobieren kann er ihn
vorab auch, denn der Produzent des Stammhebers bietet sein Produkt
zur Verlosung an. Und wenn er schon mal dabei ist, dann denkt der
Empfänger jener Mail an einen Service: Er erzählt den Lesern, dass
sie im Grunewald, Spandauer Forst oder der Wuhlheide Holz fällen
sollen. Macht eine Liste darüber, wo es billig Sägen gibt und Äxte
und Bollerwagen zum Abtransport. Nie wieder hohe Öl- oder Gaspreise
fürs Heizen zahlen, könnte das Thema lauten.
Bleibt nur die Frage, wohin mit dem Ofen - und woher einen
bekommen. Denn den benötigt der designierte Stammheber-Besitzer ja
wieder. Vielleicht verrät ihm die Autorin der Werbemail demnächst,
wo er sein im Wald geschlagenes Holz zu Wärme umwandeln kann.
Die Absenderin wird er sich auf jeden Fall merken. Wer weiß, was
die Verfasserin von drei Stammheber-Werbe-E-Mail-Seiten demnächst
noch alles anbietet. Sprengstoff fürs Fischen? Laubsauger mit
Miniermotten-Entfernungsfunktion? Er ist gespannt.
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